Entscheidendes Wissen

Dagmar Schäfer: Ursprünge der chinesischen Wissensgesellschaft

Episode Summary

Während sich die moderne Wissenschaft in Europa wesentlich über Universitäten und wissenschaftliche Gesellschaften entwickelte, entstand in China schon Jahrhunderte zuvor eine ausgeprägte Wissenskultur, deren Zentrum die staatliche Verwaltung bildete. Das chinesische Kaiserreich benötigte gut ausgebildete Beamte, die ein riesiges Territorium verwalten, Steuern erheben, Infrastruktur organisieren und politische Entscheidungen vorbereiten konnten. Das Beamtentum wurde damit zu einem wichtigen Träger der Sammlung, Systematisierung und Weitergabe von Wissen. Wie diese Strukturen entstanden und die Entwicklung von Wissenschaft und Technik beeinflussten, habe ich mit Dagmar Schäfer Wissenschaftshistorikerin und Sinologin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte"/> besprochen. Sie leitet eine Abteilung am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und erforscht insbesondere die Wissens- und Technikgeschichte Chinas während der Song- und Ming-Dynastien. Ihre Arbeiten zeigen, wie eng handwerkliches Erfahrungswissen, schriftliche Überlieferung, politische Ordnung und staatliche Institutionen miteinander verbunden waren. Wie verändert es die Entwicklung einer Gesellschaft, wenn Wissen systematisch gesammelt, dokumentiert und über Generationen weitergegeben wird? Die chinesische Geschichte zeigt, dass eine Wissensgesellschaft lange vor der modernen Universität entstehen konnte – und dass ihre Entwicklung wesentlich davon abhängt, welche Institutionen Wissen organisieren und für praktische Entscheidungen nutzbar machen.